Stromwirtschaft

 

Finanzielle Produkte sind:

  • Futures ((engl.: futures - Termingeschäfte), standardisiertes Termingeschäft, das an Börsen gehandelt wird)
  • SWAPS ((engl.: to swap - ver-, austauschen), Austausch bestimmter Rechte, Pflichten)
  • Optionen (Versicherungen, Vorkaufsrecht, Vorrecht etwas zu festgelegten Bedingungen innerhalb einer bestimmten Frist zu beziehen)
  • Cap ((engl.: Deckel), vereinbarte Obergrenze des Preises)
  • Floor ((engl.: Boden), vereinbarte Untergrenze des Preises)
  • Collar ((engl.: Kragen) Preisvereinbarung, mit der eine Preisobergrenze (Cap) und eine Untergrenze (Floor) festgelegt wird)
Börse
 

Erklärung der Begriffe

Futures
Die Marktpreisrisiken können kostengünstig abgesichert werden durch den Kauf oder Verkauf von Futures-Kontrakten an einer Strombörse. Futures-Kontrakte bieten die Möglichkeit, in einem überwachten, transparenten Markt anonym und ohne Gegenparteirisiko zu handeln. Sie eliminieren die Ungewissheit der zukünftigen Preisentwicklung und stellen das Geschäftsvorhaben auf eine sichere Kalkulationsbasis.

 

SWAPS
Ein Swap ermöglicht die Fixierung oder Indexierung des Energiebeschaffungspreises. Swaps sind Transaktionen, wobei ein Preis für einen bestimmten Zeitraum in einen anderen Preis umgewandelt wird. Es handelt sich um reine Finanztransaktionen. Es erfolgt keine physische Lieferung. Aus diesem Grund können Swaps unabhängig von dem derzeitigen physischen Bezugsvertrag und Lieferanten eingegangen werden.Oder
Finanzielle Tauschtransaktion von Zahlungsströmen; ohne physische Lieferung. Bei einem fixed-for-floating-Swap wird ein variabler Preis gegen einen Festpreis getauscht. Swaps sind von ihrem Charakter her Arbitragegeschäfte.

 

Optionen (Versicherungen)
Optionen bieten ein breites Spektrum an Preisabsicherungsmöglichkeiten. Je nachdem, ob das Recht für den Kauf oder den Verkauf des Underlying erworben wird, spricht man von Call-Option (Kaufoption) oder Put-Option (Verkaufsoption). Als Verkäufer einer Option (Stillhalter) erhält man bei Vertragsabschluss eine Optionsprämie vom Käufer. Als Käufer (Halter) zahlt man eine Optionsprämie an den Verkäufer.
Die Erfüllung kann je nach Vereinbarung physisch oder finanziell erfolgen. Bei finanzieller Erfüllung erfolgt ein Finanzausgleich in Höhe der Differenz zwischen dem vereinbarten Ausübungspreis und dem am Tag der Ausübung geltenden Marktpreis.

 

Beispiel:
Für einen Grossauftrag wird eine Offerte erstellt, bei der man mit einem fixierten Strompreis kalkulieren will, man will sich aber nicht zum Strombezug verpflichten und kauft eine physische Call-Option. Mit dieser Call-Option hat man das Recht - nicht aber die Pflicht - Strom zum vorher festgelegten Ausübungspreis an einem bestimmten Termin zu beziehen. Bei Vertragsabschluss ist eine Prämie (ähnlich einer Versicherungsprämie) an das Handelsunternehmen zu zahlen.


Vorteil:
Man bestimmt über einen zukünftigen Strombezug und kalkuliert zum heute festgesetzten Preis. Kommt das Geschäft zustande, übt man die Option aus und erhält den Strom zum vereinbarten Preis. Wenn nicht, lässt man die Option verfallen oder verkauft sie zum aktuellen Marktpreis.

Strommarkt
 

Cap
Der Cap ermöglicht dem Käufer, sich für einen längeren, vorab definierten Zeitraum gegen Preissteigerungen abzusichern. Es handelt sich um ein "Over-the-Counter"-Instrument, wird also bilateral zwischen den Handelspartnern abgeschlossen und nicht über die Börse abgewickelt. Ein Cap garantiert eine Energiebeschaffungskosten-Begrenzung über einen vorher vereinbarten Zeitraum, bleibt der Preis unterhalb des CAPs, gilt die vereinbarte variable Preisbasis. Kauft man einen Cap, zahlt man für diese Absicherungsleistung bei Vertragsabschluss eine Versicherungsprämie; der Verkäufer erhält die Versicherungsprämie.  

 

Beispiel:
Man kann während des nächsten Jahres keine höheren Strompreise als 35 EUR/MWh verkraften. Der Stromhändler verkauft dem Kunden einen Cap mit einer Preisobergrenze von 34.50 EUR/MWh. Dafür bekommt der Händler bei Vertragsabschluss eine Versicherungsprämie.
Vorteil:
Wenn man Energie zu variablen Marktpreisen bezieht und der Preis für eine bestimmte Energiemenge eine festgelegte Schwelle - den Cap - überschreitet, übernimmt der Händler den Differenzbetrag. In diesem Fall würde die Erfüllung durch Ausgleichszahlung, also finanziell erfolgen. Erfüllung durch physische Lieferung ist natürlich auch möglich, wenn dies bei Vertragsabschluss vereinbart wurde.

 

Floor
Floor ermöglicht einem Energieanbieter, sich für einen längeren, vorab definierten Zeitraum gegen Preissenkungen abzusichern. Der Floor ist, wie der Cap, ebenfalls ein "Over-the-Counter"-Instrument, wird also bilateral zwischen den Handelspartnern abgeschlossen (nicht via Börse). Ein Floor garantiert dem Energieverkäufer bei variablen Preisen einen Mindestverkaufserlös über einen bestimmten Zeitraum. Floors können sowohl finanziell als auch physisch erfüllt werden, je nach Vertrag.

 

Beispiel:
Als Stromverkäufer kann man während des nächsten Jahres keine tieferen Strompreise als 25 EUR/MWh verkraften. Das Stromhandelsunternehmen würde dem Kunden eine  Floor mit einer Preisuntergrenze von 25 EUR/MWh verkaufen. Dafür bekommt der Händler bei Vertragsabschluss eine Versicherungsprämie.
Vorteil:

Wenn man Energie zu variablen Marktpreisen verkaufen und der Preis für eine bestimmte Energiemenge eine festgelegte Schwelle - den Floor - unterschreitet, erstattet das Handelsunternehmen dem Kunden den Differenzbetrag. Kauft man diese Absicherungsleistung, zahlt der Kunde bei Vertragsabschluss eine Versicherungsprämie.

 

Collar
Ein Collar besteht aus einem Swap der Cap und Floor kombiniert mit einem Band in der Mitte, in dem keine Ausgleichszahlungen erfolgen, d.h. ein Preisbereich mit variablen Marktpreisen.
Collars ermöglichen es, die Kosten einer Preisabsicherung zu senken. Ein Collar ergibt sich durch Kombination eines Cap mit einem Floor, wobei jeweils eine Vertragspartei einen Teil der Kombination kauft beziehungsweise den anderen Teil verkauft. So kauft beispielsweise eine Partei den Cap und verkauft gleichzeitig den Floor.
Collars werden häufig in Form von Zero Cost Collars konstruiert. Hierbei fallen keine Anfangsinvestitionen für die Preisabsicherung an, weil der Wert der verkauften Optionen dem Wert der gekauften entspricht. Unabhängig von physischen Energielieferverträgen vereinbart, werden sie meist finanziell erfüllt.

 

Beispiel:
Der Cap, den man erwirbt, ist auf 35 CHF/MWh festgelegt. Der Floor, den man verkauft, ist auf 25 CHF/MWh festgesetzt. Somit bewegen sich die Stromkosten während eines Jahres im Bereich von 25 bis 35 CHF/MWh. Die Planungssicherheit für die Produktpreise steigt entscheidend an.
Vorteil:
Durch den Kauf eines Collars wird bei Vertragsabschluss ein festgelegter Preiskorridor garantiert. Überschreitet der Marktpreis die obere Preisschwelle (Cap) oder unterschreitet er die untere Preisschwelle (Floor), erfolgt ein finanzieller Ausgleich durch den Händler beziehungsweise durch den Käufer in Höhe der jeweiligen Preisdifferenz.